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Abstammungsübersicht: 2. Phase

Die weitere Entwicklung in Thüringen

Christian-Ulrich von Ketelhodt machte in Rudolstadt am Fürstenhof schnell Karriere. Er war gut ausgebildet, heiratete 1729 Marie Katharina von Beulwitz, die Tochter einer dort schon länger ansässigen Familie, und hatte mit ihr 11 Kinder, von denen aber sieben noch zu seinen Lebzeiten verstarben. Christian-Ulrich wohnte in Rudolstadt zunächst im Hause seines Schwiegervaters, des Kanzlers Georg Ulrich von Beulwitz, „Markt 4“, das er später kaufte und großzügig mit Kunstschätzen ausstattete. Die Familiengeschichte berichtet, sein Vorrat an Kleidungsstücken sei reichlich und farbenfroh gewesen. Er besaß mehrere Güter in der Umgebung wie Lichstedt oder das Schlösschen Kitzerstein in Saalfeld, nahm am wissenschaftlichen Geschehen der Zeit regen Anteil, förderte die Künste und richtete eine ganze Reihe von Stiftungen ein. Noch heute ist oberhalb von Lichstedt sein „Musensitz“ zu sehen. Am Hof erwies er sich als tüchtiger und vertrauenswürdiger Jurist und wurde schließlich zum Kanzler und Konsistorialpräsent des kleinen Fürstentums ernannt. Über sein reiches Leben weiß die Familiengeschichte viel zu berichten. Eine Reihe von Bildern zeigen einen barocken Menschen, der Freude am Leben hat.

Sein Sohn Carl-Gerd(1738 – 1814) trat später in die Fußstapfen des Vaters. Auch er studierte die Rechte (in Jena) und wurde danach in den Staatsdienst des Fürstentums übernommen, er machte Karriere und wurde schließlich ebenfalls zum Kanzler und Konsistorialpräsidenten ernannt. Auch von ihm sind Bilder und Reden überliefert. Nicht ganz ohne gegenwärtige Aktualität ist eine Rede zur Amtseinführung des neuen Rudolstädter Stadtrates vom Jahre 1797 mit dem Titel „Von der Notwendigkeit, die Ausgaben nach den Einnahmen einzurichten“. Eine Reihe weiterer Reden zu verschiedenen Anlässen sind überliefert. Sein Name findet sich heute in vielen Publikationen zur Orts-und Regionalgeschichte, oft verbunden mit einem Stich von Morgenstern. Berühmt ist bis heute seine Bibliothek, die er allerdings später an den Fürst verkaufte und die heute sorgsam verwahrt wird in der „Historischen Bibliothek“ der Stadt Rudolstadt im Alten Rathaus. Friedrich v. Schiller, der über die Schwestern v. Lengefeld eine intensive Beziehung zu Rudolstadt hatte, hat diese Bibliothek benutzt. Auch ein Sohn von Carl-Gerd, Friedrich-Wilhelm von Ketelhodt (1766 – 1836), machte Karriere in Schwarzburg-Rudolstädter Diensten und erreichte die gleichen hohen Ämter wie der Vater und Großvater. Von ihm sind ausführliche Aufzeichnungen einer Prinzenreise durch Deutschland, die Schweiz und Frankreich (1789/90) überliefert, die im Jahre 2004 von der „Historischen Bibliothek“ veröffentlicht wurden. Friedrich-Wilhelm stand dem Kreis um Schiller nahe und wollte eigentlich Charlotte v. Lengefeld heiraten – die aber zog den Dichterfürsten Friedrich Schiller vor. Dieser war sicherlich auch attraktiver, denn bei einem Wettwiegen im Jahre 1804 belegte Friedrich-Wilhelm mit 211 Pfund unter 11 Personen den 2. Rang!

Auf Friedrich-Wilhelm v. Ketelhodt lasteten später die schwierigen Verhandlungen der Napoleonzeit, in denen es ihm darum ging, die Zukunft des kleinen Fürstentums im neu geordneten Mitteleuropa zu sichern. Er hat dafür unendlich viele beschwerliche Reisen von Paris bis Berlin, von Frankfurt/M bis Dresden, Wien und Warschau unternommen. Am 8.8.1809 wurde er in Schönbrunn zu einer kurzen Audienz von Napoleon empfangen. Er nahm als Delegierter am Wiener Kongress teil und unterschrieb eine der Schlussakten 1815 mit „Freiherr von Ketelhodt“. Spätestens seit dieser Zeit führt die Familie, später wiederholt bestätigt, offiziell den Freiherrntitel.

Ein weiterer Sohn Christian-Ulrichs, Johann-Friedrich (1744 – 1809), ist zum Vorfahren aller heute lebenden Freiherren von Ketelhodt geworden. Er, wie fast alle weiteren Nachkommen, hat dem Fürstentum Schwarzburg-Rudolstadt als hoher Beamter gedient. „1786 wurde Johann-Friedrich zum Hofmarschall ernannt und unterzog sich der Verbilligung des Hofhaltes. Dies geschah zu derselben Zeit, zu welcher sein Bruder Karl-Gerd die Landesfinanzen in Ordnung brachte und wurde in gleicher Weise anerkannt“ – so heißt es in der Familiengeschichte, die 1926 aufgeschrieben wurde. Johann-Friedrich war dreimal verheiratet. Über seine drei Frauen, von denen zwei schon nach kurzer Ehe verstarben, ist leider sehr wenig überliefert worden. Das ist eine Feststellung, die leider auf fast alle Frauen der Familie (sicher nicht nur dieser!) zutrifft: Geschichte wurde eben offenbar nur von Männern gemacht und geschrieben. Glücklicherweise gibt es wenigstens noch Ölbilder der Frau von Christian-Ulrich und Carl-Gerd. Von dem Vorfahren Johann-Friedrich zweigen zwei große Linien ab, die noch heute mit jeweils zahlreichen Nachkommen Bestand haben. Ein Sohn Johann-Friedrichs, dessen privates und öffentliches Leben durch die bewegten Zeiten der Herrschaft Napoleons und der Neuordnung in Staat und Gesellschaft geprägt war, Louis (1798-1849), wurde wie sein Großvater und Onkel zum Kanzler und Konsistorialpräsidenten ernannt und führte die Regierungsgeschäfte des Fürstentums. Louis war ein treuer Beamter seines Fürsten auch in der Revolutionszeit von 1848, machte sich jedoch offenbar deswegen im Volk unbeliebt und musste schließlich von seinen Ämtern zurücktreten. Er litt an Krankheiten und scheint mit den neuen politischen und gesellschaftlichen Gegebenheiten nicht mehr zurecht gekommen zu sein, denn er machte 1849 seinem Leben selbst ein Ende. Diese Treue der Familie zum Fürstenhaus hat auch nach 1918 und bis zum Ende des 2. Weltkrieges bzw. bis zum Tode des letzten Schwarzburg-Rudolstädter Fürsten angedauert. Ein Enkel Johann-Friedrichs, Maximilian (1804-1865) gelangte durch seine Heirat mit einer Engländerin nach Jamaica. Er war dort sehr erfolgreich auf seinen Besitzungen und auch in der Politik des Landes, das damals noch britische Kolonie war. Schließlich bekleidete er das Amt des Regierungschefs in schwierigen wirtschaftlichen Zeiten. Sein Name tauchte ständig in sieben Zeitungen des Landes auf. Aber auch dort hatte sich unter dem Eindruck einer Wirtschaftskrise eine revolutionäre Grundstimmung entwickelt. Bei einem Aufstand schwarzer Sklaven wurde er 1865 ermordet, ein Ereignis, über das in Deutschland z.B. in der „Illustrirten Zeitung“ vom 30. Dezember 1865 ausführlich mit Bildern berichtet wurde.

Hier seinen noch einige weitere Angehörige erwähnt, die die Familiengeschichte prägten: Friedrich August (1786 – 1854), ein Sohn von Johann-Friedrich, wurde mit 13 Jahren Soldat, nahm als Offizier an vier Kriegen teil, trat in Österreichische Dienste, war als Diplomat viel auf Reisen in Europa und ließ sich schließlich 1828 als Hofmarschall an den Hof in Rudolstadt zurückrufen. Johann-Albert (1806 – 1873), jüngerer Bruder von Maximilian, war Mitglied der Regierung und wurde zum Ahnherrn vieler heutiger Ketelhodts. Robert (1836 – 1908), ein Sohn von Louis, war zunächst Kammerherr in Rudolstadt, ging dann in den preußischen Verwaltungsdienst, wurde Landrat, ging danach jedoch als Minister in den Sachsen-Coburg-Gothaischen Staatsdienst. Er gründete eine „Witwen-und Waisenpensionsanstalt“ und richtete in Gotha ein Statistisches Amt ein. Sein Bruder Rudolf (1838 – 1907) verschrieb sich dem Forstdienst. Er war Landesforstmeister, der viele Neuerungen im Forstwesen einführte und u.a. eine forstwirtschaftliche Berufsgenossenschaft gründete. Er war außerdem auch noch Hofmarschall in Rudolstadt. Seine Frau Luise (1848 – 1938), setzte sich schon früh für die Rechte von Frauen ein und publizierte u.a. einen längeren Artikel „Ursprung und Leitmotiv der Frauenbewegung“, 1899. Es scheint so gewesen zu sein, dass die Treue zum Fürstentum und zur Monarchie ab Mitte des 19. Jahrhunderts einem Aufstieg wie er etwa ab 1726 zu beobachten gewesen war, nicht mehr allein behilflich war. Zwar hatten alle Nachkommen Johann-Friedrichs wichtige und hohe Ämter inne; viele wurden auch Offiziere, aber zu Spitzenämtern sind sie nicht mehr gelangt. Das kleine Fürstentum Schwarzburg-Rudolstadt hatte ja auch mit der Reichsgründung von 1871 deutlich an Bedeutung verloren und keine Spitzenämter mehr zu vergeben.

Obwohl genügend männliche Nachkommen vorhanden waren, hat sich die Familie immer nur über relativ wenige Männer und Frauen weiterentwickelt. Schon im Jahre 1855 hat Eduard Freiherr von Ketelhodt eine erste Schilderung der Geschichte der Familie vorgelegt in Form einer Familiengeschichte, auf die spätere Publikationen dann zurückgreifen konnten. Inzwischen gibt es eine ganze Reihe größerer oder kleinerer Veröffentlichungen zur Familiengeschichte, deren wichtigste die Arbeit von Gerd Freiherr v. Ketelhodt (1868-1934) ist. Eine zweite neue Auflage wurde im Jahre 2002 herausgegeben. Im Jahre 2010 erscheint eine Familiengeschichte, die die früheren Arbeiten fortsetzt. Es soll allerdings nicht unerwähnt bleiben, dass schon im 18. Jahrhundert acht zum Teil längere Ausführungen zur Ketelhodt`schen Geschichte erschienen sind (z.B. V. König, 1736, von Falckenstein, 1738, Hörschelmann, 1771)

Kiel-Kronshagen 2010,
Matthias Freiherr von Ketelhodt, Vorsitzender des Familienverbandes