Abstammungsübersicht: 1. Phase
Ursprünge in Westniedersachsen/Ostwestfalen und Mecklenburg
Mit dem Jahr 1230 tritt die Familie ins Licht der Geschichte; wann genau sie nach Mecklenburg gelangte, ließ sich bisher nicht erforschen, weil dazu die Urkunden fehlen. Es ist mit Sicherheit jedoch anzunehmen, dass die Vorväter des ersten Vredeber aus dem Raum Westniedersachsen/Ostwestfalen als milites (Ritter) im Zuge der Ostkolonisation nach Mecklenburg gegangen sind. Sie gingen allerdings nicht als Eroberer oder Missionare dorthin, sondern weil die Klöster nach dem Sturz Heinrichs des Löwen ihren Einfluss immer weiter ausdehnten und so den ansässigen Rittern künftige Entwicklungsmöglichkeiten nahmen. Bald waren auch die Ketelhodts im Gefolge der slawischen Fürsten zu finden. Die Annahme der Wanderung von Westniedersachsen/ Ostwestfalen nach Mecklenburg stützt sich u.a. auf die Tatsache, dass ein Enkel des genannten Vredeber, Nicolaus, in den Jahren 1312 – 1331 Fürstbischof in Verden gewesen ist. Er war der 36. Bischof der Kirche zu Verden und hielt den ersten Gottesdienst im neu erbauten Dom. Ein solch hohes Amt erwarb man damals in der Regel nicht allein durch persönliche Tüchtigkeit, sondern durch gute und gewachsene Beziehungen und finanzielle Mittel. Beide Voraussetzungen aber konnten nur durch eine Verwurzelung im Großraum Verden oder Rheda-Wiedenbrück gewährleistet gewesen sein (hierfür gibt es zwar auch keine Urkunden, aber der Name Vredeber z.B. lässt auf einen Zusammenhang schließen).
In Mecklenburg werden Angehörige der Familie immer wieder in Urkunden als Schenkende oder als Zeugen genannt. So schenkten z.B. die Brüder Matthias, Nicolaus und Gerhard Ketelhodt am 30. Mai 1278 (1279) der Pfarre von Wattmannshagen drei Hufen und acht Kathen. Das war eine ausreichende finanzielle Ausstattung für eine Kirchengemeinde. Der Name wird in diesen Urkunden, wie es damals oft vorkam, immer wieder anders geschrieben: Ketelhot, Ketelhodt, Ketelhut, Kesselhut. Er steht in enger Verbindung mit dem „redenden Wappen“ der Familie, in dem drei Kessel oder (wenn diese umdreht) Hüte (Ritterhelme) zu sehen sind.
Vom Jahre 1230 an, also von dem ersten Vredeber an, lässt sich lückenlos die Kette der Vorfahren verfolgen bis hin zu Gerd, der in der Familiengeschichte als der IV. bezeichnet wird. Obwohl die Familie immer wieder von schweren Schicksalsschlägen heimgesucht wurde, ist diese Kette niemals gerissen. So fanden im 30-jährigen Krieg von acht Brüdern sieben einen frühen Tod und nur einer, der genannte Gerd (1597 – 1688), konnte die Genealogie fortsetzen. Seit etwa 1300 lebte die Familie auf dem Gut Cambs bei Röbel und einigen weiteren Gütern in der Nähe des großen Müritzsees. Dort wurde auch Gustav-Joachim von Ketelhodt im Jahre 1654 geboren, von dem als erstem der Familie nähere Lebensumstände wie auch ein Bildnis überliefert sind. Er war Kammerherr am mecklenburgischen Hof und ließ seinen Sohn Christian-Ulrich an der Universität Rostock zum Juristen ausbilden.
Christian-Ulrich (1701 – 1777) hatte zwar auch zwei Brüder, aber sie starben schon in jungen Jahren. So blieb auch er der einzige, der die Genealogie fortsetzen konnte. Da alle (adeligen) Ketelhodts seit Vredeber 1230 und nach Christian-Ulrich weitgehend bekannt sind, wird auch deutlich, dass alle anderen Familien mit diesem oder ähnlichem Namen nicht mit der hier beschriebenen Familie im Zusammenhang stehen.
In Norddeutschland ist der bürgerliche Name Ketelhodt, Ketelhut oder ähnlich gar nicht so selten, aber sie alle haben eben keine Verbindung zur adeligen Familie. Einzig der Reformator von Stralsund, Christian Ketelhodt (1492 – 1546), könnte ein Familienangehöriger gewesen sein. Er war zunächst Mönch, und es kam damals durchaus vor, dass ein junger Mensch mit dem Eintritt in ein Kloster den „bürgerlichen Tod starb“, also seine bürgerliche Existenz aufgab. Der Stralsunder Christian Ketelhodt soll das gleiche Wappen gehabt haben wie die adelige Familie. Lebenslauf und Vorname schließen eine Verbindung zumindest nicht aus. Alle Versuche, sein Herkommen zu enträtseln, sind bisher erfolglos geblieben. Er hatte keine männlichen Nachkommen, auf die sich heutige Namensträger berufen könnten.
Der junge Jurist Christian-Ulrich von Ketelhodt (er selbst schrieb oft auch „de“ Ketelhodt) fand in Mecklenburg keine angemessene Anstellung. So bewarb er sich mit Erlaubnis seines Landesherrn außerhalb seiner Heimat um eine Anstellung und wurde schließlich 1726 zum Hofjunker am Hof der Fürsten von Schwarzburg-Rudolstadt ernannt.
Damit gelangte die Familie nach Thüringen. Die mecklenburgischen Wurzeln gerieten zwar nie in Vergessenheit, aber die Zukunft liegt nun für gut 200 Jahre in Rudolstadt.
Kiel-Kronshagen 2010,
Matthias Freiherr von Ketelhodt, Vorsitzender des Familienverbandes